Zahnarzt Dr. Ralf Pineda aus Oberschleißheim sitzt auf gepackten Koffern: Morgen fliegt er nach Nepal. Zum 4. Mal nimmt er dort an einem zahnärztlichen Hilfsprojekt in einer der ärmsten Regionen der Welt teil. Dieses Mal dauert die Mission bis zum 23. April, in dieser Zeit betreut Assistenzärztin Teresa Vinzek die Patienten in der Praxis an der Haselsbergerstraße.

„Wenn man weiß, dass in vielen Ländern die Gesundheit der Menschen allein vom Geld abhängt und es keine Krankenkassen oder Versicherungen gibt, dann muss man etwas dagegen tun“, erklärt der promovierte Zahnmediziner Deshalb engagiere er sich persönlich seit 12 Jahren für Hilfsprojekte in Indien, der Dominikanischen Republik, Haiti und Nepal.

Hilfe leistet Ralf Pineda aber nicht nur in fernen Ländern, sondern auch daheim in Oberschleißheim. In seiner Zahnarztpraxis steht seit Kurzem ein Defibrilator für den Notfall zur Verfügung. Die Entscheidung war für ihn klar: „60 Prozent aller Herzinfarkte werden durch Kammerflimmern verursacht. Über die Hälfte davon kann durch eine rechtzeitige Defibrilation folgenlos überlebt werden.“

An dem Gerät wurde das gesamte Praxisteam ausgebildet und zertifiziert. Überhaupt ist es Dr. Pineda wichtig, seine Patienten auch in Zukunft mit gut geschultem Fachpersonal zu betreuen. Deshalb bildet er auch selbst zahnmedizinische Fachangestellte aus: „Aktuell ist bei uns in der Praxis in Oberschleißheim eine Ausbildungsstelle frei, gern auch für Wechsler.“

Wer die Hilfsprojekte befördern möchte, könne durch Spenden dazu beitragen, erklärt Dr. Pineda: „Ich verbürge mich persönlich, dass jeder Cent in die Hilfe vor Ort geht. Alle Kosten des Hilfseinsatzes tragen die Helfer selbst.“

OPEN-EYES e.V.
Deutsche Bank AG München
IBAN: DE69 7007 0024 0200 3929 00
BIC: DEUTDEDBMUC

www.open-eyes-ev.org

Hilfe für Indien e.V.

Der Verein engagiert sich nicht nur für zahnärztliche Projekte in Indien. Er unterstützt das Land auch mit Hilfsgütern, Schulen oder Waisenhäusern.

Infos unter: www.hilfe-fuer-indien.de

Spendenkonto

Verein für Hilfe in Indien e.V.
IBAN: DE32 7025 0150 0000 0282 82
BIC: BYLADEM1KMS
Bank: Kreissparkasse München

 

Zahnarzt Dr. Ralf Pineda rockt für Hilfsprojekte Indien

Es rockt im Unterschleißheimer Jugendkulturhaus gewaltig. E-Gitarrensolo von Ralf Pineda. „Hau rein“, rufen 180 begeisterte Fans in Richtung Bühne. „Das ist der größte Spaß, wenn ich auf der Bühne stehe, und die Leute Feuer fangen“, erzählt der Zahnarzt mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Seine Band „Rock4.net“ spielt an diesem Abend rund 1.500 Euro ein. Geld, das in den Verein „Hilfe für Indien“ fließt, den der Zahnarzt aktiv unterstützt.

Dr. Ralf Pineda hat gleich zwei Hobbbys, die er auf sinnvolle Art und Weise miteinander verbindet. Zum einen sprüht er vor Begeisterung und Tatendrang, wenn er von seinen Einsätzen als Zahnarzt in den ärmsten Ländern der Welt spricht. Zum anderen hat es ihm auch die Musik angetan: „Welcher Junge träumt nicht davon, eines Tages als Rockstar auf der Bühne zu stehen.“ Doch erst fehlte es an der E-Gitarre und später an der Zeit. Zwar hatte Pineda schon mit 14 Gitarrenunterricht, doch der war nicht ganz nach seinem Geschmack. „Da habe ich Landler gespielt – nicht sehr aufregend“, erzählt er lachend. Die Gitarre war aber von da an immer dabei. Geklampft wurde an der Isar, auf der Skihütte und am See. Inzwischen hat Pineda seit langem eine E-Gitarre und spielt noch immer regelmäßig – sogar in einer eigenen Band. Jeden Montag treffen sich die Bandmitglieder von „Rock4.net“ in Pinedas Garage, die „Pappaband“, wie er sie auch nennt. Gespielt wird eigene Musik. „Erst waren wir zu schlecht, um Songs nachzuspielen. Außerdem mussten wir so keine GOZ-Gebühren zahlen. Obwohl die Band deutliche Fortschritte gemacht hat, bleibt sie den selbst geschriebenen Songs treu. Die meisten Texte schreibt der Zahnarzt selbst. Unterstützung holt er sich bei einem befreundeten Journalisten. „Der ist gnadenlos. Er baut so lange an den Texten, bis sie sitzen.“ Aber auch der Sound muss passen: „Wir feilen ordentlich an den Arrangementsund sind schon recht professionell geworden“, sagt Pineda. In die Saiten zu hauen, heißt für ihn auch Stress abbauen, Dampf ablassen. Wenn er dann noch auf der Bühne steht, „lebe ich meine Traum aus, nämlich vor der Menge die Sau raus zu lassen“.

Das passiert derzeit aber einmal im Jahr. Im Herbst 2012 trat er zuletzt mit „Rock4.net“ in Unterschleißheim auf und verband dabei das Angenehme mit dem Nützlichen. Der Erlös aus dem Konzert kommt dem Verein „Hilfe für Indien“ zugute. Den Besuchern berichtete er natürlich auch von seinem letzten Hilfseinsatz. Denn das Herz des Zahnarztes schlägt nicht nur für die Musik. Er engagiert sich außerdem für die Zahngesundheit von Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Pineda hat bereits in der Dominikanischen Republik, in Nepal und in IndienPatienten behandelt. „Ich möchte meine Möglichkeiten als Zahnarzt nutzen, um tatkräftige Hilfe zu leisten. Denn ich kann mein sehr gutes Leben hier nur rechtfertigen, wenn ich anderen etwas Gutes tue“, erklärt der 48-Jährige. War man erst einmal in diesen Ländern, weiß man einen Lichtschalter genauso zu schätzen wie einen stabilen Stromkreislauf, sagt Pineda. Einmal passierte es ihm, dass sich ein elektronisches Gerät in Rauch auflöste – einfach weil es zu einer Netzüberspannung kam. Auch so etwas Elementares wie sauberes Wasser stellt einen Zahnarzt vor Herausforderungen. Leitungswasser zum Mund ausspülen? Das geht nicht, selbst dafür muss man Wasser in Flaschen bereitstehen haben, berichtet er.

Kein Zahn mehr heil

Sein letzter Hilfseinsatz brachte ihn im Januar nach Indien. In Tamil Nadu, im Südosten oder „mitten in der Pampa“, wie Pineda sagt, versorgte er 1500 Kinder. Der Zahnarzt zeigt sich beeindruckt und begeistert von dem Land. „Indien ist wunderschön. Die Farben sind herrlich. Auch den Menschen geht es immer besser. Die Gesellschaft ist auf dem Sprung.“ Aber mit dem Geld kommen auch die zahnmedizinischen Probleme. In erster Linie stecken die Inder ihr Geld in Kleidung und Handys, sagt Pineda. Die Zahnversorgung steht hinten an. Das rächt sich. Denn die vielen süßen Sachen, die sich die Inder jetzt leisten können, ruinieren die Zähne. „Derzeit ist der Stand in Indien wie im Nachkriegsdeutschland. Sie futtern ohne Ende aber keiner putzt sich die Zähne.“ Die Kinder haben mittlerweile schlechtere Zähne als ihre Eltern. Teilweise ist kein Zahn mehr heil. 650 Kinder mussten behandelt werden. Die meisten hatten die typische Kauflächenkaries. Pineda leistet deswegen auch Aufklärungsarbeit. „Ich zeige Eltern, Kindern und Lehrern, wie man Zähne putzt.“ Manchmal denkt er sich, sein Tun ist angesichts von einigen hundert Behandlungen bei 1,3 Milliarden Einwohnern ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber er weiß, dass viele andere Zahnärzte und Hilfsorganisationen mit anpacken und setzt auf das Schneeballsystem – die Lehrer zeigen es ihren Schülern, die Schüler anderen Kindern. Über ähnliche Aktionen berichtete das BZB bereits in früheren Ausgaben.

Kleiner Beitrag für eine gute Sache

Pineda selbst unterstützt den Verein „Hilfe für Indien“ bereits seit fast 20Jahren. Begonnen hat alles an seinem ersten Arbeitstag in der Praxis 1993. „Ein Patient fragte mich, ob ich nicht alte Geräte für Indien spenden wolle. Meine Antwort: Die Praxis ist neu, hier gibt es nichts Altes.“ Aber er beteiligte sich finanziell und flog vor zehn Jahren selbst nach Indien, um zu sehen, wofür sein Geld verwendet wird. Seitdem gibt es für ihn kein Halten mehr. Er sammelt Spenden, organisiert die Einsätze, ist einmal im Jahr aktiv vor Ort und berichtet über seine Erlebnisse. Pinedas Motto ist: „Wenn du was tust, dann tue es gescheit.“ Er hat die Erfahrung gemacht, dass dann viele Menschen mitziehen. So auch viele seiner Patienten, die ihr altes Zahngold spenden. Über die Jahre sind damit viele tausend Euro zusammengekommen. „Meine Patienten haben ein gutes Gefühl, wenn sie spenden. Sie wissen, dass sie einen kleinen Beitrag für eine gute Sache leisten.“ Der Zahnarzt geht auch auf Firmen zu. So bekam er Rüttelmaschinen, einen mobilen Zahnarztkoffer, Zemente und anderes Material gestiftet. Natürlich fließen auch die Einnahmen aus den Konzerten direkt in „Hilfe für Indien“. Rund 1500 Euro sind letzten Herbst zusammengekommen. Das Geld hat Pineda gleich wieder investiert. Er schaffte vor Ort ein Röntgengerät an. Das ist mit 500 Euro in Indien nicht nur deutlich billiger als hier, es hat auch rein praktische Vorteile. „Röntgengeräte von Siemens kann in Indien keiner reparieren. Die Ersatzteile fehlen. In Indien wird mit Geräten aus chinesischer und japanischer Produktion gearbeitet.“ Das Geld, das der Verein einnimmt, wird außerdem für Medikamente, das Gehalt indischer Zahnärzte, eine feste Zahnstation, für Behandlungseinheiten und Materialien eingesetzt. Auch Arzthelferinnen, Köche und das Benzin für Stromgeneratoren müssen bezahlt werden.

An Gegebenheiten anpassen

Wenn Pineda eine oder zwei Wochen unterwegs ist, bleiben Frusterlebnisse nicht aus. Vor allem korrupte Beamte erschweren ihm die Arbeit. Deswegen arbeitet der Zahnarzt in Indien mit der katholischen Kirche zusammen – „ein unbestechliches System in einem bestechlichem Land“. Dann gibt es noch bürokratische Hindernisse, die den Hilfseinsatz genauso erschweren wie landestypische Eigenschaften. „Aus Hygienegründen dürfen wir in Indien keine Zähne extrahieren.“ Ein Schmarrn, wie der Zahnarzt findet, haben sie doch „literweise Desinfektionsmittel dabei“. Aber damit muss man leben und sich anpassen. Deswegen beschränken sich die Zahnärzte auf Versiegelungen, Füllungen und Zahnsteinentfernungen. Ärgerlich ist es für Pineda, wenn seine Partner vor Ort zu spät in die Gänge kommen und die Menschen nicht rechtzeitig informieren. Auch ist es schwierig, Slumbewohner davon zu überzeugen, einen Zahnarzt aufzusuchen, berichtet er. Aber gerade das ist es, was für ihn den Reiz seines Berufs ausmacht – der Umgang mit Menschen, auch mit denen in anderen Kulturen. Die Lebensphilosophie der Menschen in fremden Ländern interessieren und begeistern den Zahnarzt. Sein schönstes Erlebnis auf einer seiner Reisen hatte er in der Dominikanischen Republik. Nach einem langen Arbeitstag gingen er und seine Kollegen auf ein Feierabendbier in den Kramerladen des kleinen Ortes. Der Besitzer legte südamerikanische Musik auf und auf einmal waren sie mittendrin in der spontanen Party. „Der halbe Ort hatte sich in dem winzigen Laden versammelt und forderte uns zum Tanzen auf. Wir haben die ganze Nacht durchgefeiert. Diese Offenheit, das sich am Leben freuen und Spaß haben, das hat mich beeindruckt.“ Spaß hat Pineda auch an seiner Arbeit. „Eine Woche so eng mit anderen Zahnärzten zusammenzuarbeiten, ist toll. Man hat Zeit zum Reden, lernt Leute kennen, kann zuschauen wie andere arbeiten. Man ist kreativ, es ist auch witzig und man weiß, dass die anderen ihr Herz am rechten Fleck haben.“ Außerdem macht es ihn glücklich, zu sehen, dass seine Patienten mit einem Lächeln wieder gehen. „Das macht allen Ärger wett und spätestens nach einem halben Jahr bin wieder gierig auf ein neues Abenteuer.“

Problem erkennen, anpacken und lösen

Zu seinem Beruf ist Pineda übrigens durch das Ausschlussprinzip gelangt. „Es durfte nichts mit Mathe sein.“ Etwas in der biologischen Ecke vielleicht. So schaute er bei den Heilberufen genauer hin. Tierarzt fiel raus, „da alles was größer als 30 Zentimeter ist, mir Angst macht.“ Augenarzt passte auch nicht, da die Ausbildung zu lange dauert. Das galt auch für die Chirurgie. Dann fiel der Blick auf den Zahnarztberuf. „Ich sah, dass ich nach sieben Jahren mein eigener Chef sein könnte. Ein Bastler und Handwerker war ich auch. Diese Kombination gab den.“ Bereut hat er die Entscheidung bis zum heutigen Tag nicht. Pineda liebt die Fingerfertigkeit, die der Beruf verlangt, er mag den Kontakt mit seinen Patienten und die sichtbaren Erfolge. „Ich sehe das Problem, kann es anpacken und sofort lösen. Ich gehe in meinem Beruf einfach auf. Wenn ich sehe, dass mein Patient mit einem Grinsen im Gesicht rausgeht dann sage ich mir ‚Ja, ich habe was geschafft‘. Das befriedigt mich total.“

 

Man spürt mit welchem Enthusiasmus und Leidenschaft Pineda all seine Projekte angeht und dabei den Einklang zwischen seiner Praxis in Oberschleißheim, seine Hilfseinsätze und der Musik gefunden hat: „Das Leben ist bunt. Ich möchte mir möglichst viele Träume erfüllen.“

 

Ilka Helemann

 

Fotos: Dr. Ralf Pineda

 

 

 

Im November 2015 wurde durch schweren Monsunregen die Metropole Chennai in Südostindien überschwemmt. Dank der fantastischen Spendenbereitschaft konnten wir sofort unbürokratisch den Slumbewohnern Unterschlupf und Erstversorgung gewähren.
Vielen Dank!
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Zustände wie auf einem mittelalterlichen Jahrmarkt mit dem öffentlich arbeitenden Zahnbrecher. Ein einfacher Plastikstuhl am Sandstrand, hunderte Leute ringsum – das war mein Behandlungszimmer in Südindien. Auf eigene Rechnung habe ich im August einen Hilfseinsatz als Zahnarzt für die Tsunamiopfer und Waisenkinder in den Provinzen Tamil Nadu und Kerala gestartet.

Die erste Bewährungsprobe hatte ich in einem Heim für Blinde und Gehörlose in Chennai zu bestehen. Zum Glück half mir ein indischer Zahnarzt, die mobile Zahnarztpraxis „Dentamobil“ zum Laufen zu bringen. Die indischen Behandlungsbedingungen weichen doch recht stark von den hiesigen ab: Bei 35 Grad schwüler Hitze stehen Massen von Patienten in Schlange. Es gibt kein OP-Licht, keinen Absauger und keine Zahnarzthelferin.

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Stattdessen assistierten meine Frau und meine zwei Kinder. Sonia, die Fünfjährige reichte die Wattetupfer. Lino (9) zog die Spritzen auf. Das Geld für die Medikamente und Instrumente hatte ich in den vergangenen Jahren in meiner Zahnarztpraxis gesammelt. Meine Patienten spendeten Altgold. Die Schmelze brachte 2800 € ein, die ich Christian Klages vom „Verein für Hilfe in Indien“ übergab.

Herr Klages hatte mich vor 12 Jahren in meiner neu eröffneten Praxis besucht.
Er bat mich, gebrauchte Geräte für die Indienhilfe zu spenden. Gebrauchte Geräte hatte ich in meiner neuen Praxis keine, doch er wurde mein Patient und so erfuhr ich viel von seinem Engagement für Indien.

Er besorgte Schulmaterial speziell für Blinde, Dialysegeräte, Baugeld für Waisenhäuser und gründete Schulen. Das Beispiel einer Zahnstation in einem Waisenhaus in Dharkast, nahe der 4 Millionen Metropole Chennai im Bundesstaat Tamil Nadu, ließ mich dann „anbeißen“.

Mein Wunsch war und ist es, bedürftigen Menschen direkt vor Ort zu helfen. So wie Vielen stellt sich mir die Frage ob, das Geld auch wirklich bei den Bedürftigen ankommt. Über 70% der indischen Bevölkerung lebt auf dem Land und ist zu arm, um sich einen Besuch beim Zahnarzt leisten zu können. Selbst die Busfahrt zum Zahnarzt ist schon zu teuer. So war der Gedanke schnell geboren, eine mobile Zahnstation zu schaffen und direkt in die Dörfer zu fahren und zu helfen.

Wir reisten mit Rucksäcken nach Chennai in besagtes Waisenhaus. Reiseschecks halfen mir, die notwendige Ausrüstung vor Ort zu kaufen. Ich übernahm eine neue Zahnarzteinheit mit allen dazugehörigen Materialien für insgesamt 3400 Euro. Diese war bereits fertig montiert auf einem Ambulanzwagen, der von einer in Indien tätigen christlichen Hilfsorganisation zur Verfügung gestellt wird. Die Kontakte von Christian Klages zahlten sich aus, auch bei der Organsiation der Unterkünfte und Arbeitsstationen.

In Chennai halfen mir auch die gehörlosen Kinder und die Lehrer. Sie sorgten für heißes Wasser, reichten mir die Instrumente zu und reinigten sie. Mit einer Taschenlampe leuchteten die Kinder den Altersgefährten den Mund aus, stützten den Kopf, bestimmten die Reihenfolge der Patienten und verteilten Schmerz- und Antibiotikatabletten. Es war ein Riesenauflauf, aber alle halfen mit. Nach drei harten Tagen waren alle Kinder, Lehrer und sonstige Angestellten der Schule behandelt.

Während dessen begleitete meine Familie den Tagesablauf im Waisenhaus mit Englisch- und Tanzunterricht, Essensausgabe und die Landessprache Tamil lernen. Sie spielten mit den Kindern des Ortes, zeigten ihnen das richtige Zähneputzen und kauften natürlich Sarees und Seidenstoffe. Nach tränenreichem Abschied fuhren wir mit dem Zug über Madurai – der uralte Tempelort ist für den Shre-Meenakshi-Tempel berühmt – an die äußerste Südwestküste Indiens nach Trivandrum. Im Gegensatz zu Ostindien mit seiner eher trockenen, steppenartigen Landschaft beeindruckte uns der Westen mit seinen bilderbuchartigen Palmenstränden und dem wesentlich angenehmeren Klima. Nach dem wir in einem Hotel am Meer ein Erholungsfleckchen gefunden hatten, machten wir uns auf den Weg an die Südspitze Indiens, nach Kaniyakumari. Dort treffen drei Meere aufeinander: das Arabische Meer, der Indische Ozean, die Andamanensee. Hier hatte der Tsunami mit seiner tödlichen Kraft eine Küstenregion verwüstet, die zu den ärmsten des Landes zählt.

Zusammen mit einem indischen Allgemeinarzt und zwei Arzthelferinnen fuhren wir über die Dörfer an der Küste und bauten unser Dental- und Medical-Camp auf. Im Gegensatz zur Großstadt Chennai, wo ich hauptsächlich Zähne zu füllen hatte, bestand die Arbeit hier zu dreiviertel aus Zähneziehen unter freiem Himmel und besagten Jahrmarktverhältnissen. Auch entfernte ich Unmengen von Zahnstein. Das weit verbreitete Betelnusskauen führt zu einer charakteristischen Schwarzfärbung der Zähne und innerhalb von 10 Jahren sicher zu Krebs.

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Die Arbeitsbedingungen waren abenteuerlich: Die Patienten spuckten in den Sand aus. Gegen 19:30 Uhr geht die Sonne unter, und es wird schnell dunkel. Beim Licht einer Taschenlampe werden weiter Zähne gezogen.

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Problematisch wurde es, wenn bei dieser Menschenmenge einzelne meinten, sich vordrängen zu müssen. Teilweise kam es zu tumultartigen Szenen, die aber routiniert von den Helfern der lokalen Hilfsorganisation unterbunden wurden. Letztendlich war jeder drangekommen, als wir spät am Abend das Dorf verließen.

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In Bangalore, unserer letzten Station, standen plötzlich auch 6er BMW´s im Stau. Die Stadt ist ein Zentrum der Hightech-Industie. Die Firmenpaläste von Bosch, Siemens und SKF stehen an der Hauptstraße neben brachliegendem Bauland und einfachen Hütten. Wir kommen etwas außerhalb der Stadt in einem Kloster unter, wo der persönliche Kontakt zu den Kindern und Schwestern möglich ist. Wie erfahren vieles von den Lebensbedingungen und Religionen Indiens und lernen im Klostergarten kennen, wie unter anderem Kaffee, Papaya und Bananen wachsen.

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Die Reise durch den Süden Indiens ist uns leicht gefallen, denn er hat einen höheren Bevölkerungsanteil von Christen (ca. 40%) und steht wirtschaftlich mit an der Spitze Indiens. Die Analphabetenrate ist sehr niedrig und die meisten Einwohner sprechen Englisch.

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Die Inder respektieren unsere Essenskultur und reichen unaufgefordert Besteck zum für uns nicht allzu scharfen Essen. Zum Glück brauchten wir nichts aus unserer Reisapotheke, da wir uns an die klassischen Regeln hielten, wie „cook it, peel it or forget it“ und Getränke nur aus original verschlossenen Flaschen.

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An dieser Arbeit interessierte Zahnärzte können auf eine funktionierende Organisation setzen und sich mit dieser Arbeit, so wie ich, einen Lebenswunsch erfüllen. Eines ist sicher: das Arbeiten daheim hat nach so einer Erfahrung geradezu paradiesische Qualitäten.

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Aber auch die Arbeit in Indien geht weiter. Eine Idee für die Zukunft wäre eine Art indische „Ich-AG“ als Zahnsteinentfernerin, hierzulande Dentalhygienist genannt. Wenig Aufwand und große Wirkung. Ein einfaches Zahnsteingerät, eine eingewiesene Helferin, ein Stromanschluss und eine Rupie pro Zahn reichten für ein gutes Auskommen. Eine Arzthelferin verdient in Indien 850 Rupien pro Monat, das entspricht rund 17 Euro.

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Der „Verein Hilfe für Indien“ freut sich über jeden Zahnarzt und Zahnarzthelferin die mit ihrem persönlichen Einsatz zur Fortführung unseres Projektes „Dentamobil“ beitragen möchten. Natürlich ist auch jede Spende willkommen, denn diese findet – ohne jeden Abzug – ihren direkten Weg zu den Bedürftigen.

PS.: Flug und alle Reisekosten muss man selber zahlen. Essen und Unterkunft in den Klöstern bzw. bei den Gemeindepriestern sind frei.

Zwei Jahre nach dem erfolgreichen „medical + dental Camp“ im Kaffepflanzer-Dorf Las Lagunas mit Ärzten verschiedener Fachrichtungen hatte sich der Familienvater Dr. Ralf Pineda mit seiner mobilen Zahnarztpraxis erneut an einem Hilfsprojekt in der Dominikanischen Republik beteiligt. Zusammen mit drei weiteren Zahnärzten wurden innerhalb einer Woche über 200 Campesinos im Kakaopflanzer-Dorf Jagua Clara an der Nordküste zahnärztlich versorgt.

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Die Altgold- und Geldspenden der Schleißheimer Bevölkerung hatten dem Verein „Hilfe für Indien“ den Erwerb einer Zahnarztpraxis im Kofferformat  (dentamobil) ermöglicht. Die Idee „dentamobil“ steht für die flexible zahnärztliche Versorgung armer Menschen weltweit.

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Die deutschen Ärzte haben nach Pinedas Worten in der Dorfschule über das richtige Zähneputzen aufgeklärt und die Lehrer in die Aktion eingebunden. „Einmal wöchentlich putzen die Schüler unter Aufsicht der Lehrer in der Schule die Zähne“, freut sich der 45-Jährige über erste zaghafte Erfolge. Dafür hätten Firmen Zahnbürsten und eine besonders zahnhärtende Zahncreme gespendet. Ferner seien die gesunden Zähne der Kinder versiegelt worden, so wie es bei uns in Deutschland üblich ist.
Unterdessen habe auch die Hilfe für Indien in diesem Jahr weitere Fortschritte gemacht. So sei im November die 2006 fest eingerichtete Zahnstation  im Blinden- und Gehörlosenheim  in Chennai um ein Röntgengerät erweitert worden. Der Verein Hilfe für Indien e.V. beschäftige hier neben einem indischen Zahnarzt nun zusätzlich einen Zahnarzthelfer. Die Patientenzahl habe sich mittlerweile verdreifacht und liege nun bei über 1000 Menschen pro Jahr.

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 Außerdem sei im November in der Stadt Tura im nordöstlichen Bundesstaat Megalaya eine weitere Zahnstation; mit Hilfe der Spenden, nach dem  Erfolgsrezept von Chennai eingerichtet worden. In einem durch die Bethany-Gesellschaft neu gebauten Ärztehaus stehen dem Verein dafür zwei Räume kostenlos zur Verfügung. „Der Zahnarztstuhl ist installiert, und unser Vereinsvorsitzender Christian Klages hat auch schon das zahnärztliche Material samt Instrumenten an Ort und Stelle gebracht“, erklärt der engagierte Zahnmediziner. „All diese Hilfe ist bitter nötig und muss fortgesetzt werden. Sie wäre aber undenkbar ohne die Altgold- und  Geldspenden, die der Verein Hilfe für Indien e.V. in Deutschland erhält“, bedankt sich Dr. Pineda.
Der Verein Hilfe für Indien hat bei der Kreissparkasse München (BLZ: 702 501 50) eine Spendenkonto mit der Nummer 28 2 82 eingerichtet. Spendenformulare können auch von der Internetseite des Vereins unter www.hilfe-fuer-indien.de heruntergeladen werden.

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Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen hat das Dentamobil, die mobile Zahnarztpraxis von Dr. Ralf Pineda, noch einen Hilfseinsatz in der Dominikanischen Republik absolviert. Der Oberschleißheimer Zahnarzt war Ende November mit zwei Berufskollegen und zehn weiteren medizinischen Fachkräften nach Las Lagunas geflogen. Das Kaffeepflanzerdorf erhielt damit nach 2009 zum zweiten Mal Besuch aus Deutschland. Ziel war es, die Nachhaltigkeit der Projekte, die unter der Schirmherrschaft des Eine Welt e.V. Kirchheim ins Leben gerufen worden sind, zu gewährleisten. (www.eineweltev.de)

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Der Eine Welt Verein wiederum trug mit Plastikplanen mit dazu bei, dass die Bauern unter selbstgebauten Gewächshäusern mehrere Ernten pro Jahr bei erstklassiger Qualität erwirtschaften. Dies gibt der Landbevölkerung die nötige wirtschaftliche Kraft, um in ihren Dörfern eine Zukunft mit relativem Wohlstand zu sehen. In Las Lagunas ist die positive Entwicklung spürbar, schätzt Dr. Pineda ein. So habe das Dorf fast den ganzen Tag Strom, und obwohl es im Zentrum des Landes auf 1500 Metern Höhe liegt, gebe es nun Handyempfang. Die Einwohner müssen nicht in die Städte gehen, die bereits überlaufen von Menschen sind. Dort gibt es zu wenig Arbeit. Die Folgen sind offensichtlich: Slums, Drogen, eine hohe Kriminalitätsrate und Prostitution.

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Doch allein eine gesicherte wirtschaftliche Zukunft reicht nicht, um die Menschen in den abgelegenen Dörfern an der Landflucht zu hindern. Ein erschwinglicher und schneller Zugang zu medizinischer Versorgung bei Gesundheitsproblemen ist genauso wichtig für ein sicheres Lebensgefühl.

In Zusammenarbeit mit dem ILAC wurde vom Verein eine feste Gesundheitsstation in Las Lagunas errichtet. Zwei Einheimische sollen zu Pflegern ausgebildet werden, um ganzjährig als Ansprechpartner bei gesundheitlichen Problemen zu fungieren. Nur noch Patienten mit ernsten Beschwerden müssen sich auf die beschwerliche vierstündige Busfahrt über Schlamm- und Schotterpisten zum Krankenhaus des ILAC in Santiago de los Cavalieros begeben.

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Diese Gesundheitsstation in Las Lagunas verwandelten die Ärzte und Helfer während einer Woche in eine provisorische Poliklinik. Eine Frauen-, eine Haut-, eine Kinderärztin, zwei Allgemeinärzte, ein Apotheker eine Physiotherapeutin sowie die drei Zahnärzte samt drei Assistentinen arbeiteten auf engstem Raum zusammen.

ehrere hundert Patienten aus allen umliegenden Dörfer wurden untersucht und behandelt. Aus Deutschland wurde ein Vorrat an Medikamenten (bezahlt von Spenden) mitgebracht, der für mindestens ein Jahr ausreicht, die festgestellten Krankheiten behandeln zu können.

“Aus zahnärztlicher Sicht haben wir eine ähnliche Entwicklung wie in Deutschland: immer weniger haben Karies”, schätzt Dr. Pineda ein. Viele benötigten aber eine regelmäßige Zahnpflege. Das Problem seien die Eltern, die sich nicht um die Zahngesundheit ihrer Kinder kümmern. Die Folge sind zum Teil grausam zerstörte Kindergebisse.

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Durch die Aufklärung der Lehrer in den Dorfschulen und das gemeinsame Zähneputzen in den Schulen mit einer hochfluoridhaltigen Zahnpasta versuchen die Helfer, dieses Problem zu bekämpfen. Zudem wird alle drei Monate eine Zahnärztin des ILAC in der neuen Krankenstation von Las Lagunas Zahnstein entfernen und die weitere Versorgung der Zähne übernehmen.

Dr. Pineda hatte mit seiner mobilen Zahnarztpraxis bereits im Jannuar dieses Jahres ein 14-tägiges dental-camp in Südindien erfolgreich abgeschlossen.

Dieses breitgefächerte Engagement ist nur mit Hilfe Ihrer Spenden möglich. Insbesondere in Tura / Nordost-Indien werden damit Malzeiten für Kinder, die Schuluniformen, der Bau von Dorfschulen und vier indische Lehrerinnen bezahlt. Im Süden Indiens bezahlt der Verein einen angestellten indischen Zahnarzt für die kostenlose Behandlung von Bedürftigen in der vom Verein getragenen Zahnstation im Blinden- und Gehörlosenheim in Chennai. Ebenso trägt der Verein die Kosten für Verbrauchsmaterialien und Medikamente in der Zahnstation.

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Jeder kann mit seiner Spende Helfen. Auch die Patienten leisten einen wichtigen Beitrag: So überlassen sie Dr. Ralf Pineda beispielsweise die ausgedienten Goldfüllungen ihrer Zähne, damit diese eingeschmolzen und das Altgold für den guten Zweck verkauft werden kann.

Der Verein Hilfe für Indien hat bei der Kreissparkasse München (BLZ: 702 501 50) eine Spendenkonto mit der Nummer 28 2 82 eingerichtet. Spendenformulare können auch von der Internetseite des Vereins unter www.hilfe-fuer-indien.de heruntergeladen werden.

Das gespendete Geld kommt zu 100% bei den Bedürftigen an. Alle Kosten (Flüge,Unterkünfte etc.) zahlen die Aktiven selbst.

Nachdem nun auch das Hilfsprojekt in der Dominikanischen Republik gut verlaufen ist, kann “dentamobil” nun entspannt in die Weihnachtsferien gehen.

 

Eine ältere Frau will sich trotz heftigster Schmerzen einen vereiterten Zahn nicht ziehen lasse. Sie glaubt fest daran, blind zu werden, wenn ihr der Zahn gezogen wird.

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So geschehen im Oktober 2013 in Nepal. Die Reisbäuerin lebt in einem ärmlichen Dorf im Südwesten Nepals nahe der indischen Grenze. Erst durch gutes Zureden von Mitbewohnern ihres Dorfes, denen ich auch einen Zahn hatte ziehen müssen und die nicht blind geworden waren, willigt sie ein. Sie wurde nicht blind. Aber schmerzfrei.

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Solche Erlebnisse sind bei einem Hilfsprojekt Alltag. Wie schon im Jahr 2012 war unser zahnärztliches Hilfsteam erneut für 7 Arbeitstage in Nepal, bei insgesamt 9 Tagen Auslandsaufenthalt. Nur so läßt sich der Spagat zwischen „helfen wollen“ und den Pflichten in der eigenen Praxis in Oberschleißheim halten. Schon im Januar 2013 hatte ich ein 14-tägiges „dental camp“ mit 4 Zahnärzten und 2 Zahntechnikern im Süden Indiens durchgeführt.

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Dieses Mal konnten wir 700 Patienten 357 Zähne mit Füllungen erhalten, 254 Zähne mussten leider gezogen werden.

Besonders am Herzen lag mir der Besuch einer Dorfschule mit 120 Kindern. Neben der Behandlung wurden alle Kinder, Lehrer und Betreuer spielerisch über die kindgerechte effektive Mundhygiene trotz schwieriger Lebensumstände aufgeklärt. Jedes Kind bekam Zahnbürste und Zahnpaste, um das Gelernte gleich ausprobieren zu können.

Nepal ist ein armes Land. Die Gesundheitsversorgung ist schlecht, insbesondere außerhalb des Kathmandutals. Wenn Sie meine Arbeit in Nepal unterstützen wollen, dann bitte ich Sie um eine Spende auf das Konto von:

OPEN-EYES e.V.
Deutsche Bank
Konto 2003929
BLZ 70070024
www.open-eyes-ev.org

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