Hilfe für Indien e.V.

Der Verein engagiert sich nicht nur für zahnärztliche Projekte in Indien. Er unterstützt das Land auch mit Hilfsgütern, Schulen oder Waisenhäusern.

Infos unter: www.hilfe-fuer-indien.de

Spendenkonto

Verein für Hilfe in Indien e.V.
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Zahnarzt Dr. Ralf Pineda rockt für Hilfsprojekte Indien

Es rockt im Unterschleißheimer Jugendkulturhaus gewaltig. E-Gitarrensolo von Ralf Pineda. „Hau rein“, rufen 180 begeisterte Fans in Richtung Bühne. „Das ist der größte Spaß, wenn ich auf der Bühne stehe, und die Leute Feuer fangen“, erzählt der Zahnarzt mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Seine Band „Rock4.net“ spielt an diesem Abend rund 1.500 Euro ein. Geld, das in den Verein „Hilfe für Indien“ fließt, den der Zahnarzt aktiv unterstützt.

Dr. Ralf Pineda hat gleich zwei Hobbbys, die er auf sinnvolle Art und Weise miteinander verbindet. Zum einen sprüht er vor Begeisterung und Tatendrang, wenn er von seinen Einsätzen als Zahnarzt in den ärmsten Ländern der Welt spricht. Zum anderen hat es ihm auch die Musik angetan: „Welcher Junge träumt nicht davon, eines Tages als Rockstar auf der Bühne zu stehen.“ Doch erst fehlte es an der E-Gitarre und später an der Zeit. Zwar hatte Pineda schon mit 14 Gitarrenunterricht, doch der war nicht ganz nach seinem Geschmack. „Da habe ich Landler gespielt – nicht sehr aufregend“, erzählt er lachend. Die Gitarre war aber von da an immer dabei. Geklampft wurde an der Isar, auf der Skihütte und am See. Inzwischen hat Pineda seit langem eine E-Gitarre und spielt noch immer regelmäßig – sogar in einer eigenen Band. Jeden Montag treffen sich die Bandmitglieder von „Rock4.net“ in Pinedas Garage, die „Pappaband“, wie er sie auch nennt. Gespielt wird eigene Musik. „Erst waren wir zu schlecht, um Songs nachzuspielen. Außerdem mussten wir so keine GOZ-Gebühren zahlen. Obwohl die Band deutliche Fortschritte gemacht hat, bleibt sie den selbst geschriebenen Songs treu. Die meisten Texte schreibt der Zahnarzt selbst. Unterstützung holt er sich bei einem befreundeten Journalisten. „Der ist gnadenlos. Er baut so lange an den Texten, bis sie sitzen.“ Aber auch der Sound muss passen: „Wir feilen ordentlich an den Arrangementsund sind schon recht professionell geworden“, sagt Pineda. In die Saiten zu hauen, heißt für ihn auch Stress abbauen, Dampf ablassen. Wenn er dann noch auf der Bühne steht, „lebe ich meine Traum aus, nämlich vor der Menge die Sau raus zu lassen“.

Das passiert derzeit aber einmal im Jahr. Im Herbst 2012 trat er zuletzt mit „Rock4.net“ in Unterschleißheim auf und verband dabei das Angenehme mit dem Nützlichen. Der Erlös aus dem Konzert kommt dem Verein „Hilfe für Indien“ zugute. Den Besuchern berichtete er natürlich auch von seinem letzten Hilfseinsatz. Denn das Herz des Zahnarztes schlägt nicht nur für die Musik. Er engagiert sich außerdem für die Zahngesundheit von Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Pineda hat bereits in der Dominikanischen Republik, in Nepal und in IndienPatienten behandelt. „Ich möchte meine Möglichkeiten als Zahnarzt nutzen, um tatkräftige Hilfe zu leisten. Denn ich kann mein sehr gutes Leben hier nur rechtfertigen, wenn ich anderen etwas Gutes tue“, erklärt der 48-Jährige. War man erst einmal in diesen Ländern, weiß man einen Lichtschalter genauso zu schätzen wie einen stabilen Stromkreislauf, sagt Pineda. Einmal passierte es ihm, dass sich ein elektronisches Gerät in Rauch auflöste – einfach weil es zu einer Netzüberspannung kam. Auch so etwas Elementares wie sauberes Wasser stellt einen Zahnarzt vor Herausforderungen. Leitungswasser zum Mund ausspülen? Das geht nicht, selbst dafür muss man Wasser in Flaschen bereitstehen haben, berichtet er.

Kein Zahn mehr heil

Sein letzter Hilfseinsatz brachte ihn im Januar nach Indien. In Tamil Nadu, im Südosten oder „mitten in der Pampa“, wie Pineda sagt, versorgte er 1500 Kinder. Der Zahnarzt zeigt sich beeindruckt und begeistert von dem Land. „Indien ist wunderschön. Die Farben sind herrlich. Auch den Menschen geht es immer besser. Die Gesellschaft ist auf dem Sprung.“ Aber mit dem Geld kommen auch die zahnmedizinischen Probleme. In erster Linie stecken die Inder ihr Geld in Kleidung und Handys, sagt Pineda. Die Zahnversorgung steht hinten an. Das rächt sich. Denn die vielen süßen Sachen, die sich die Inder jetzt leisten können, ruinieren die Zähne. „Derzeit ist der Stand in Indien wie im Nachkriegsdeutschland. Sie futtern ohne Ende aber keiner putzt sich die Zähne.“ Die Kinder haben mittlerweile schlechtere Zähne als ihre Eltern. Teilweise ist kein Zahn mehr heil. 650 Kinder mussten behandelt werden. Die meisten hatten die typische Kauflächenkaries. Pineda leistet deswegen auch Aufklärungsarbeit. „Ich zeige Eltern, Kindern und Lehrern, wie man Zähne putzt.“ Manchmal denkt er sich, sein Tun ist angesichts von einigen hundert Behandlungen bei 1,3 Milliarden Einwohnern ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber er weiß, dass viele andere Zahnärzte und Hilfsorganisationen mit anpacken und setzt auf das Schneeballsystem – die Lehrer zeigen es ihren Schülern, die Schüler anderen Kindern. Über ähnliche Aktionen berichtete das BZB bereits in früheren Ausgaben.

Kleiner Beitrag für eine gute Sache

Pineda selbst unterstützt den Verein „Hilfe für Indien“ bereits seit fast 20Jahren. Begonnen hat alles an seinem ersten Arbeitstag in der Praxis 1993. „Ein Patient fragte mich, ob ich nicht alte Geräte für Indien spenden wolle. Meine Antwort: Die Praxis ist neu, hier gibt es nichts Altes.“ Aber er beteiligte sich finanziell und flog vor zehn Jahren selbst nach Indien, um zu sehen, wofür sein Geld verwendet wird. Seitdem gibt es für ihn kein Halten mehr. Er sammelt Spenden, organisiert die Einsätze, ist einmal im Jahr aktiv vor Ort und berichtet über seine Erlebnisse. Pinedas Motto ist: „Wenn du was tust, dann tue es gescheit.“ Er hat die Erfahrung gemacht, dass dann viele Menschen mitziehen. So auch viele seiner Patienten, die ihr altes Zahngold spenden. Über die Jahre sind damit viele tausend Euro zusammengekommen. „Meine Patienten haben ein gutes Gefühl, wenn sie spenden. Sie wissen, dass sie einen kleinen Beitrag für eine gute Sache leisten.“ Der Zahnarzt geht auch auf Firmen zu. So bekam er Rüttelmaschinen, einen mobilen Zahnarztkoffer, Zemente und anderes Material gestiftet. Natürlich fließen auch die Einnahmen aus den Konzerten direkt in „Hilfe für Indien“. Rund 1500 Euro sind letzten Herbst zusammengekommen. Das Geld hat Pineda gleich wieder investiert. Er schaffte vor Ort ein Röntgengerät an. Das ist mit 500 Euro in Indien nicht nur deutlich billiger als hier, es hat auch rein praktische Vorteile. „Röntgengeräte von Siemens kann in Indien keiner reparieren. Die Ersatzteile fehlen. In Indien wird mit Geräten aus chinesischer und japanischer Produktion gearbeitet.“ Das Geld, das der Verein einnimmt, wird außerdem für Medikamente, das Gehalt indischer Zahnärzte, eine feste Zahnstation, für Behandlungseinheiten und Materialien eingesetzt. Auch Arzthelferinnen, Köche und das Benzin für Stromgeneratoren müssen bezahlt werden.

An Gegebenheiten anpassen

Wenn Pineda eine oder zwei Wochen unterwegs ist, bleiben Frusterlebnisse nicht aus. Vor allem korrupte Beamte erschweren ihm die Arbeit. Deswegen arbeitet der Zahnarzt in Indien mit der katholischen Kirche zusammen – „ein unbestechliches System in einem bestechlichem Land“. Dann gibt es noch bürokratische Hindernisse, die den Hilfseinsatz genauso erschweren wie landestypische Eigenschaften. „Aus Hygienegründen dürfen wir in Indien keine Zähne extrahieren.“ Ein Schmarrn, wie der Zahnarzt findet, haben sie doch „literweise Desinfektionsmittel dabei“. Aber damit muss man leben und sich anpassen. Deswegen beschränken sich die Zahnärzte auf Versiegelungen, Füllungen und Zahnsteinentfernungen. Ärgerlich ist es für Pineda, wenn seine Partner vor Ort zu spät in die Gänge kommen und die Menschen nicht rechtzeitig informieren. Auch ist es schwierig, Slumbewohner davon zu überzeugen, einen Zahnarzt aufzusuchen, berichtet er. Aber gerade das ist es, was für ihn den Reiz seines Berufs ausmacht – der Umgang mit Menschen, auch mit denen in anderen Kulturen. Die Lebensphilosophie der Menschen in fremden Ländern interessieren und begeistern den Zahnarzt. Sein schönstes Erlebnis auf einer seiner Reisen hatte er in der Dominikanischen Republik. Nach einem langen Arbeitstag gingen er und seine Kollegen auf ein Feierabendbier in den Kramerladen des kleinen Ortes. Der Besitzer legte südamerikanische Musik auf und auf einmal waren sie mittendrin in der spontanen Party. „Der halbe Ort hatte sich in dem winzigen Laden versammelt und forderte uns zum Tanzen auf. Wir haben die ganze Nacht durchgefeiert. Diese Offenheit, das sich am Leben freuen und Spaß haben, das hat mich beeindruckt.“ Spaß hat Pineda auch an seiner Arbeit. „Eine Woche so eng mit anderen Zahnärzten zusammenzuarbeiten, ist toll. Man hat Zeit zum Reden, lernt Leute kennen, kann zuschauen wie andere arbeiten. Man ist kreativ, es ist auch witzig und man weiß, dass die anderen ihr Herz am rechten Fleck haben.“ Außerdem macht es ihn glücklich, zu sehen, dass seine Patienten mit einem Lächeln wieder gehen. „Das macht allen Ärger wett und spätestens nach einem halben Jahr bin wieder gierig auf ein neues Abenteuer.“

Problem erkennen, anpacken und lösen

Zu seinem Beruf ist Pineda übrigens durch das Ausschlussprinzip gelangt. „Es durfte nichts mit Mathe sein.“ Etwas in der biologischen Ecke vielleicht. So schaute er bei den Heilberufen genauer hin. Tierarzt fiel raus, „da alles was größer als 30 Zentimeter ist, mir Angst macht.“ Augenarzt passte auch nicht, da die Ausbildung zu lange dauert. Das galt auch für die Chirurgie. Dann fiel der Blick auf den Zahnarztberuf. „Ich sah, dass ich nach sieben Jahren mein eigener Chef sein könnte. Ein Bastler und Handwerker war ich auch. Diese Kombination gab den.“ Bereut hat er die Entscheidung bis zum heutigen Tag nicht. Pineda liebt die Fingerfertigkeit, die der Beruf verlangt, er mag den Kontakt mit seinen Patienten und die sichtbaren Erfolge. „Ich sehe das Problem, kann es anpacken und sofort lösen. Ich gehe in meinem Beruf einfach auf. Wenn ich sehe, dass mein Patient mit einem Grinsen im Gesicht rausgeht dann sage ich mir ‚Ja, ich habe was geschafft‘. Das befriedigt mich total.“

 

Man spürt mit welchem Enthusiasmus und Leidenschaft Pineda all seine Projekte angeht und dabei den Einklang zwischen seiner Praxis in Oberschleißheim, seine Hilfseinsätze und der Musik gefunden hat: „Das Leben ist bunt. Ich möchte mir möglichst viele Träume erfüllen.“

 

Ilka Helemann

 

Fotos: Dr. Ralf Pineda